Mittwoch, 2. November 2011

November-Buch

Da mir Erebos von Ursula Poznanski richtig gut gefallen hat, war ich natürlich sehr gespannt auf ihr neues Werk mit dem klangvollen Namen Saeculum (lat. Jahrhundert), das sie auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat. Bei der Premierenlesung waren wir live dabei - die Geschichte um eine Gruppe Mittelalter-begeisterter junger Leute, die in einem einsamen Wald weit auf dem Land ein Rollenspiel veranstalten, hat mich so mitgerissen, sodass ich mir das Buch direkt auf der Messe gekauft habe.

Zum Inhalt:
Als der Medizinstudent Bastian die lebenslustige Sandra kennenlernt, ist er hin und weg. Vergessen sind seine Studien, vergessen sein strenger Vater, nur zu gern möchte er mit Sandra ein Abenteuer erleben, als sie ihn zu einem mittelalterlichen Live-Rollenspiel an einen unbekannten Ort einlädt. Zwar erscheint es ihm etwas seltsam, dass die Gruppe Saeculum ansonsten nur aus erprobten Mitgliedern besteht und der Kreis bewusst klein gehalten wird, und auch dass seine Beziehung mit Sandra nicht wirklich intim wird, irritiert ihn ein wenig. Er freut sich jedoch sehr darauf, einfach mal in der freien Natur abzuschalten und alle Sorgen zu vergessen. Angekommen in dem einsamen Waldstück, in dem die Spieler schließlich 5 Tage verbringen wollen, verschwinden schon bald die ersten spurlos. Ein Fluch soll nach alter Sage über dem Land liegen und aus dem Spiel wird schnell bitterer Ernst...




Sprache, Stil, Figuren:
Erzählt wird in der dritten Person in der Vergangenheitsform, die Perspektive bleibt hauptsächlich bei Bastian, dessen Gedanken und Gefühle direkt in den Text eingebunden werden. Ab und zu werden auch Kapitel mit der Teilnehmerin Iris in einem ähnlichen Stil eingeschoben, um die Spannung zu erhöhen. Durch zahlreiche Dialoge und einen oft knappen Satzbau wird in der gesamten Geschichte ein konstantes Tempo beibehalten, sodass man kaum aufhören kann, zu lesen. Die unterschwellig drohende Gefahr ist immer präsent und da man weiß, dass etwas passieren wird, beginnt man sofort mit dem Beobachten der Einzelnen, legt Worte und Gesten auf die Goldwaage und rätselt fleißig vor sich hin.

Hauptfigur ist der ernste und fleißige Medizinstudent Bastian, der den lieben langen Tag seine Nase in Fachbücher steckt. Aus heiterem Himmel lernt er die fröhliche und abenteuerlustige Sandra kennen, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür zerrt, erst auf einen Mittelaltermarkt und dann zu der Convention der Rollenspieler. Man merkt jedoch schnell, dass Sandra eher wankelmütiger und oberflächlicher Natur ist.


Seit der Unendlichen Geschichte kann es nur einen Bastian geben? Ursula Poznanski spielt mit dem Klischee.

Weitere Teilnehmer sind Steinchen und Warze, zwei nette Kerle mit ausgeprägter Leidenschaft für das Mittelalter, der ehrgeizige Organisator und Leiter des Spiels, Paul, die seltsam aussehende und verschlossene Iris, deren Sicht auch einigen Raum einnimmt, die schöne Lisbeth mit ihrem eifersüchtigen Freund Georg, Ralf, der ganz in seiner mittelalterlichen Rolle lebt, die esoterisch veranlagte Doro und eher blasse Figuren wie Arno, Alma, Lars, Carina und Mona. Vor allem bei letzteren hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, um das Verwirrspiel noch komplizierter zu gestalten. Es gab zwar die ein oder andere Überraschung, aber vieles erschien mir direkt eindeutig und klar, was auch an meinem vorangegangen Konsum entsprechender Filme und Bücher, die sich mit ähnlichen Szenarien beschäftigen, liegen kann. Die Charakterstudie der Teilnehmer und wie sie sich in Extremsituationen auf kleinstem, abgeschlossenen Raum verhalten, kann man zudem fast als klassisch bezeichnen, auch wenn es natürlich schockiert und bewegt. Doch alle typischen Charaktere sind hier vertreten: Anführer, Mitläufer, Aufrührer, Wahnsinnige, Integre, Abgründige und Verschlossene. Nichtsdestotrotz konnte ich Saeculum kaum aus der Hand legen, denn schließlich wollte ich ja unbedingt wissen, ob meine Vermutungen richtig waren.


Tristrams Fluch hält Bastian und seine Mitstreiter in Atem. Werden sie den Wald lebend verlassen?

Fazit:
Wer Filme wie Blair Witch Project und The Hole mochte, dem wird auch Saeculum gefallen - viele Seiten jagen nur so dahin, während man mit Bastian mitfiebert und rätselt, warum all das in diesem einsamen Wald passiert. Leider kam für mich die Auflösung nicht ganz so überraschend wie bei Erebos, nichtsdestotrotz ist Saeculum eine spannende, abgründige und mitreißende Lektüre, die einen Mittelaltermärkte und Rollenspieler mit ganz anderen Augen sehen lässt!

Ausstattung:
Das Klappenbroschur, ein großformatiges Taschenbuch mit Einklappern, wollte ich direkt besitzen, mit seinem schwarz-weißen Cover und dem schwarzen Schnitt fällt es aus dem Rahmen der üblichen Gestaltungen und passt einfach perfekt zum Inhalt. Der Titelschriftzug wurde zusätzlich geprägt, ansonsten ist handelt es sich bei dem Einband wie bei Erebos um ein ungestrichenes Papier, was angenehm in der Hand liegt. Die Kapitel werden von einer mittelalterlich anmutenden Initiale eingeleitet, ansonsten ist der Satz schmucklos und schlicht.






Ursula Poznanski
Saeculum
Loewe Verlag
496 Seiten
Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3785570289
Cover © Loewe Verlag

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Während der Buchmesse hat Ursula Poznanski hat den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 für ihren spannenden und herausragenden Jugendthriller Erebos, den ich ausführlich bei der Leser-Welt besprochen habe, erhalten. An dieser Stelle meine herzlichsten Glückwünsche.

Zur Lektüre von Saeculum passt meiner Meinung nach wunderbar Musik von Rammstein, da hier auch gern menschliche Abgründe thematisiert werden. Wer mittelalterlichen Rock hören möchte, dem kann ich abgesehen davon wärmstens Subway To Sally und Saltatio Mortis empfehlen.

Kommentare:

  1. Oh ja, das liegt hier auch und will gelesn werden! Eigendlich dachte ich ja ist nix für mich, nach der Lesung war aber klar das ich es lesen MUSS :)

    LG
    Nadine

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  2. Dann wünsche ich dir ganz viel Spaß dabei, es ist wirklich unheimlich spannend!

    LG,
    Ina

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