Donnerstag, 15. Juli 2010

Juli-Buch 2

Dieses Buch hat eine besondere Bedeutung für mich und das nicht nur aufgrund seiner schönen Geschichte.

Zum Inhalt: James und Deirdre gehen inzwischen auf die Thornking-Ash School of Music, einer Schule für musikalisch Hochgegabte mit übersinnlichen Fähigkeiten, doch die dramatischen Ereignisse der Vergangenheit und vor allem James Liebesgeständnis haben die ehemals besten Freunde entzweit. Von der einstigen Verbundenheit ist nicht mehr viel übrig und so versuchen beide, allein an der neuen Schule klar zu kommen. James wird es schnell langweilig, vor allem als er merkt, dass ihm niemand mehr was beibringen kann, um sein Dudelsackspiel zu verbessern. Währenddessen versinkt Deirdre in Selbstmitleid und Liebeskummer, da ihre große Liebe Luke nicht mehr bei ihr ist. Doch wo ein Kleeauge ist, sind Feen nicht weit, und der Dornenkönig selbst singt jeden Abend sein Lied der Toten auf dem Schulgelände und kündigt damit Unheil an. James trifft schließlich auf die wunderschöne Leanan Sidhe Nuala, die ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet: für ein paar Jahre seiner Lebenszeit schenkt sie ihm Inspiration und macht ihn zu einem berühmten Musiker, wenn er einwilligt. Doch James erinnert sich nur zu gut an seine bisherigen Erfahrungen mit Feen und lehnt dankend ab. Nuala bleibt trotzdem hartnäckig bei ihm und entdeckt im Laufe der Zeit, dass sie plötzlich ernsthafte Gefühle für ihn entwickelt, die ihre Pläne zu vereiteln drohen...

Stil, Sprache, Figuren:
Die Geschichte wird im Wechsel zwischen Nuala und James aus der Ich-Perspektive erzählt, wodurch beide Figuren eine unheimliche Tiefe erlangen und man bei beiden wunderbar die Entwicklung ihrer Gefühle füreinander beobachten kann.

Ich träumte von Musik. Ein berauschendes, mitreißendes Lied von irgendeinem fernen Ort, wunderschön und unerreichbar. Ich wollte es, dieses graue Lied, begehrte es. Es war auf eine Weise echt, wie kein Traum es je gewesen war. Ich wusste, dass dies Nualas Werk war, dieses Lied – so schön, dass es weh tat. Ich wachte auf. (Seite 53)

James ist dem Leser zwar aus Lamento noch bekannt, doch jetzt lernt man ihn richtig kennen und sein Tick, sich die Hände und Arme mit Wortfetzen und Notizen zu beschreiben, gewinnt erst jetzt an Bedeutung. Seine witzige Art, die Dinge um sich herum wahrzunehmen, ist sehr unterhaltsam und sein Gegenüber, die Fee Leanan Sidhe Nuala, steht ihm da in nichts nach. Bei ihr wird deutlich, dass sie zwar selbst eine Fee, aber doch eine Außenseiterin ist, die zwischen den Welten und so ihren Sehnsüchten steht. Ab und zu sind vor den Kapiteln SMS an James eingefügt, die Deirdre nicht losschickt, und Zeilen aus dem Werk "Die Goldene Zunge" von Steven Slaughter, welches ich leider nicht bei meiner Internet-Recherche entdecken konnte. Die Hauptfigur aus Lamento, Deirdre, bleibt die ganze Geschichte über ziemlich blass und im Hintergrund, was ich ein wenig schade finde. Dafür hat die Autorin mit James Mitschüler Paul und dem Englischlehrer Patrick Sullivan neue, interessante Figuren erdacht, die die Handlung bereichern. Sprachlich sind sowohl sehr poetische Elemente als auch humorvolle Aspekte zu finden, so dass die Lektüre zu einem besonderen Genuss wird.

Als ich aufwachte war mein Mund vollgestopft mit goldener Musik. Es war, als ginge mir ein Lied durch den Kopf, das aber eine Farbe hatte und das ich schmecken und spüren konnte. Holzrauch und Regenperlen an Eichenblättern und schimmernde goldene Fäden erstickten mich fast. (Seite 53)



Fazit: Mit dem zweiten Teil hat Maggie Stiefvater die Messlatte noch ein Stückchen höher gelegt - die beiden Protagonisten James und Nuala sind gerade aufgrund ihrer Schwächen und Fehler besonders liebenswert. Ballade ist wie die Musik zweier Herzen, die im Schatten der Herbstfeuer zu einer himmlischen Komposition verschmelzen!

Ausstattung: Passend zum ersten Teil wurde auch dieses gebundene Buch wunderschön gestaltet. Auf dem Schutzumschlag befindet sich ein Mädchen mit nachdenklichem Gesicht, um das sich kleine, verspielte Schnörkel und Blumenelemente ranken. Diese und der Ballade-Schriftzug wurden zusätzlich lackiert. Der Einband unter dem Umschlag ist wieder in einem tiefen Kleeblatt-Grün gehalten und unterstreicht so den klassischen Bezug zu Irland.

Vielen Dank an den PAN-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.





Maggie Stiefvater
Ballade: Der Tanz der Feen
PAN-Verlag
361 Seiten
gebunden
ISBN-13: 978-3426283110
Cover © PAN-Verlag

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